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05.02.2018

In memoriam Rolf Zacher: "Ich bin kein Star-Fuzzi"

Anlässlich des Todes des Künstlers bringen wir hier nochmal unser Interview mit Rolf Zacher aus der Ausgabe November 2009.


Rolf Zacher gehört zu den bekanntesten deutschen Schauspielern und zu den schillerndsten Persönlichkeiten im Showzirkus. Am 13. November ist er mit seinem Musik-Programm „Latest Hits“ im Bündheimer Schloss zu Gast. trend-Redakteur Claus Kohlmann hatte die Gelegenheit, mit ihm ein Telefonat zu führen. Hier ist das Protokoll des denkwürdigen Gesprächs.

 

Wie oft werden Sie eigentlich mit Ralf Zacherl verwechselt?

 Kenn’ ich gar nicht. Also, ich bin seit 40 Jahren im Geschäft, ich habe 240 Filme gemacht, und wenn dann zufällig ’n Koch einen ähnlich klingenden Namen hat, ist mir das ziemlich egal. Was soll ich mit dem zu tun haben? Und außerdem, selbst wenn man im Internet suchen würde, bei Wikipedia steht der doch gar nicht drin. Aber mal ehrlich, Du wolltest doch bloß ’ne blöde Frage stellen, oder?

 

Ja, leider voll erwischt.

Tja, bei mir musst Du aufpassen, ich bin ’n ganz smartes Kerlchen. Stell mir einfach gute Fragen!

 

Wieviel Druck lastet auf Ihnen durch die irrsinnig guten Kritiken für Ihr Album, das ja unter anderem fünf Sterne im Rolling Stone bekam?

Das ist gar kein Druck. Druck hab’ ich nur auf den Reifen. Von welcher Seite soll denn da Druck kommen?

 

Zum Beispiel der Druck, Erwartungen erfüllen zu müssen?

Naja, Erwartungen erfüll’ ich ja sowieso nicht. Wenn ich auf der Bühne stehe, braucht keiner was Bestimmtes zu erwarten, es kommt sowieso anders.

 

Welchen Stellenwert hat das Musik machen in Ihrem Leben?

Musik ist gut für die Seele. Für jeden Menschen. Wenn Menschen Musik hören, sind sie gut drauf, egal, was sie hören.

 

Sie machen Musik und sind Schauspieler. Haben Sie einen Favoriten für sich?

Nein, ich mache beides gleich gerne. Ich bin einfach gerne auf der Bühne, auch mit der Musik. Damit Geld zu verdienen, ist zwar ganz schön schwer, aber so ist das Geschäft. Besonders, weil sich ja heutzutage alle den Kram downloaden.

 

Aber ist dann das Internet nicht sogar hilfreich dabei, Musik abzusetzen?

Bisher hab’ ich das noch nicht in Erwägung gezogen, aber ich werde das für die CD wohl mal versuchen.

 

Wie ist denn Ihre Einstellung zu den neuen Medien insgesamt, gerade vor dem Hintergrund sich schnell verbreitender Gerüchte? Lässt Sie das kalt?

Also, wenn Schlechtes irgendwo geschrieben wird, bist du halt sauer und ärgerst dich, dass die so ’nen Mist schreiben. Aber das ist eben so. Die Informationsmedien wollen ja auch Geld damit verdienen, und der Rest ist denen wurscht. Das gehört einfach dazu. Und: ’Ne schlechte Presse ist besser, als gar keine. Aber eigentlich ist es die Aufgabe eines Künstlers, gute Energie zu bringen. Darum geht’s im Leben.

 

Was war für Sie das Schönste an der Produktion des neuen Albums? Sie sollen ja alle Songs hintereinander eingespielt haben…

Ja, am liebsten mach’ ich das alles ganz schnell. Wie beim Film auch: Eine Klappe, das ist mir am liebsten, da ist alles noch intuitiv, spontan. Wenn man das zu oft hintereinander macht, ist das alles so gestellt.

 

Was erwartet die Besucher des Konzertes in Bad Harzburg?

Die meisten Leute, die mich kennen, die wissen, dass ich unberechenbar bin. Und gerade deshalb kommen die auch da hin. Weil ich Sachen sage, die sich andere nicht trauen. Weil ich Sachen mache, die andere nicht machen. Eigentlich bin ich ja ein ganz normaler Mensch, aber schon als Kind habe ich Sachen gemacht, die mir oft viel Ärger eingebracht haben. Wenn du von den Hauptstraßen abgehst und das Leben in den Nebenstraßen siehst, weißt du, das dort das Leben pulsiert. Du siehst einfach mehr. Ich bin oft nicht mit dem Bus nach Hause gefahren, sondern gelaufen und hab’ in die Läden geguckt, dem Schuster zugeschaut und so. Handwerkliche Berufe, die haben mich interessiert. Ich war immer neugierig und die Leute mochten mich. Deshalb durfte ich in den Läden auch immer teilnehmen an dem, was da passiert.

 

 Stammen die Texte aus Ihrer Feder?

Nein, das sind zwar Texte, die zum Teil schon vorher fertig waren. Aber geschrieben hat sie der Komponist, der Martin Bächler. Das lief so, dass ich ihm Geschichten erzählt habe, die er dann in Texte verpackt hat. Außerdem sind auf dem Album Texte von ihm, die mir sehr gut gefallen haben. Die hätten auch von mir sein können.

 

Deshalb haben Sie sie interpretiert?

Ja, wenn jemand Texte macht, die auf dich passen, das ist doch großartig. Und durch die Schauspielerei kann ich die Texte so verinnerlichen, als kämen sie von mir.

 

Das klingt alles sehr authentisch.

Das ist es ja auch, was ich bin! Ich versuche, authentisch zu sein. So mögen mich die Menschen. Die Aussage höre ich schon seit Jahrzehnten. Mir geht’s ja auch gar nicht darum, als Star da zu stehen, sondern an die Seelen der Menschen ranzukommen.

 

Warum heißt das Album „Latest Hits“?

(lacht) Ja, da sollen sich die Leute mal weiter fragen.

 

 Gibt es etwas, dass Sie in Ihrem recht ereignisreichen Leben rückblickend bereuen?

Nicht viel. Ich bereue, dass ich damals meine Tochter verlassen habe. Aber streng genommen habe ich es mal bereut. Das ist sowieso ein komischer Begriff.

 

Sie haben zu ihr ja wieder Kontakt geknüpft. Besteht der noch?

Natürlich! Schon lange. Seitdem wir den Kontakt wieder haben, eigentlich ständig. Es ist fast so, als ob wir telepathisch Verbindung aufnehmen könnten. Ganz irre ist das. Ich meditiere ja sowieso, und damit erreicht man jeden, auch Leute, die verstorben sind.

 

Muss man da bestimmte Grundtechniken beherrschen?

Eigentlich nur die Atemtechnik. Du musst einfach nur richtig atmen. Das lernt man zum Beispiel auf der Schauspielschule. Das sollten aber eigentlich alle Kinder schon ab der Grundschule lernen. Und Nächstenliebe. Und Sinnlichkeit, wie man sich die erhält. Dass man sich das erhält, was man als Kind hat.

 

Und konkret?

Es gibt da auch viele Bücher über die fernöstlichen Techniken. Die Menschen dort sind uns ja, was das angeht, haushoch überlegen. Da kannst du richtig was lernen. In dich hineinzuhorchen, zum Beispiel, das ist es ja, was meditieren ist. Mal auf Null kommen. Nicht immer was denken. Man wird ja beeinflusst von dem ganzen Wahnsinn der Medien und der Werbung. Das haut ja alles auf dich ein. Und da wirkt es, sich einfach mal hinzulegen und die Hände aufzulegen. Ganz einfache Dinge sind das. Du musst nur ganz bestimmte Körperstellen berühren und schon fängst du an, wegzufliegen. Mehr ist das nicht. Den Kopf ganz leer zu bekommen, darum geht es. Und das mache ich nun schon seit vielen Jahren.

 

Wie oft praktizieren Sie das?

Täglich. Morgens gleich als erstes mein Yoga. Es geht darum, die Energie zu mobilisieren, das ist die Droge. Was besseres gibt’s überhaupt nicht.

 

Haben Sie, nach Ihrer Biographie, schon mal überlegt, ein Sachbuch zu dem Thema zu schreiben?

Ja, das hab’ ich jetzt fast fertig. Es heißt „Meine Entdeckung der Sexualität“ und kommt jetzt bald raus. Arbeitstitel: Die Wiederentdeckung der Sinnlichkeit“.

 

Das ist ja eine Überraschung.

Ja, das ist das, was als nächstes kommt. Ich muss nur mal wieder etwas mehr Zeit haben, dann werd’ ich das vollenden, das Werk. Es geht um die Sexualität sozusagen von 6 bis 66. Wie man sie entdeckt, was daraus wird, wie das verroht wird und wie das verschmutzt wird durch die Medien und die Wirtschaft. Schrecklich, was die aus dem gemacht haben, aus dem wir alle hervorgegangen sind. Gerade, die Amis mit ihrer Scheinmoral. Deswegen war es auch so gut, was wir in der Hippiezeit alles bewirkt haben. Dass da viel gelockert wurde. Da profitiert Ihr heute noch von.

 

Das hat aber auch seine Schattenseiten.

Ja, natürlich, wenn die jungen Leute Sex mit Liebe verwechseln und dann plötzlich in jungen Jahren mit ’nem Kind dastehen, hat das auch was mit fehlender Aufklärung zu tun. Und das ist etwas, was uns alle angeht.

 

Was ist denn das Erfolgsrezept?

Besonnenheit ist wichtig. Und Sinnlichkeit. Der Liebesakt muss ein Energieaustausch sein, im Gleichgewicht. Im Grunde genommen wie in den tantrischen Lehren. Und das erhöht die Lebensqualität. Schau mich doch an.

 

Ja, dass Sie kurz vor 70 sind, erkennt man wirklich nicht sofort.

Ja, ich bin selbst überrascht. (lacht) Und ich hab’ ja nun wirklich zugeschlagen im Leben, mit ganz ungesunden Dingen. Man muss daraus nur lernen, damit es weitergehen kann. Und vor allem muss man sich verändern, das ist das, was mir am meisten Spaß macht. Das kannst du machen, bis du uralt bist. Das ist das Tolle am Älterwerden, zu merken, dass es immer weiter geht, dass du immer dazu lernen kannst. Wenn du merkst, dass du hängen bleibst, wie du erwachsen wirst, bist du verloren. Die Träume deiner Kindheit, an die musst du dich erinnern. Und vor allem: Nimm dir Zeit zum Lachen. Lachen ist Musik für die Seele. Aber das ist noch nicht alles. Man muss sich Zeit nehmen, freundlich zu sein. Freundlichkeit ist der Weg zum Glück. Und noch was: Du kannst nur jemanden lieben, wenn du dich selber liebst. Das können heutzutage nur noch die wenigsten.

 

Da fragt man sich doch, ob Sie sich schon mal überlegt haben, eine Therapeutenlaufbahn einzuschlagen…

Bin ich doch! Ich bin Seelenheiler durch meine Auftritte. Das andere ist mir zu schulmedizinisch. Aber ich lebe das jeden Tag. Wenn mich die Leute erkennen, lächle ich sie an, ich begrüße sie. Da kann man soviel Kraft draus schöpfen, wenn man sieht, dass die Menschen sich freuen, dass man nicht wie ein arroganter Schnösel mit hoch erhobenem Kopf durch die Gegend rennt. Ich bin ein Rocker und kein Star-Fuzzi. Und wenn ich auf der Bühne bin, dann will ich Seelen aufschließen. Zu erwarten braucht das Publikum nichts. Nur, wenn es sich mir öffnet, dann kann die Energie zwischen mir und den Leuten da unten im Publikum wirklich fließen. Dann findet der Energieaustausch statt.